Maye von der Weissdornblüte
Eines stillen Herbstmorgens, als ich unter einem alten Weissdorn sass, überdachte ich all jenes, auf das ich keine Antwort fand. Denn alle Entscheidungen, die ich während meines Lebens getroffen hatte, brachten mir nichts - ausser Streit und Kampf. Da dacht' ich dann weiter und änderte meine Meinung, denn doch war das Leben stets recht freundlich zu mir. Aber die Leere und die endlosen Zweifel, die quälenden Stimmen, zermürbend und laut! Dann hörte ich tief im Innern, oder war es aussen, eine ruhige Stimme, um allen Zweifel zu entfernen. "Elfen, deren Anblick Du nicht erhaschen kannst, entscheiden selbst, wann sie sich Dir zeigen." Ich sah hinauf durch verdrehte Zweige,und sah eine Elfe, und sie sprach. Sie sass auf dem nächsten Ast, Ihre Beine gekreuzt, ihr Haar trug sie offen. Hinab lächelnd, sprach sie noch einmal, mit der Zunge des reinsten Waldlandvolkes: "Wozu dient derartiges Nachdenken über getroffene Entscheidungen, wenn die Wahl nichts ist als Licht und Schatten? Du denkst, dass Du dachtest, aber das ist reine Torheit, die Entscheidungen wählen Dich, warum macht Dich das so traurig? Das, wonach Du strebst, ist vorbestimmt, damit Du es erlangst."
"Die Antwort liegt immer im Innern, eine Spiegelung Deines Selbst ist in allem. Nicht aus so vielen Möglichkeiten hast Du zu wählen, es zählt mehr, wie Du wünschst und wann Du schaust." Ich habe genug gesagt, damit Du siehst, dass der Wirklichkeiten Traum innerhalb dieses Baumes ist, und dass des Träumers Wirklichkeiten in Dir selbst liegen. Als dies gesagt war, verschwand Belaine mit einem Rascheln in den Blättern, wie in Robin's Lied.
Wieder alleine, mit meinem zum Schweigen gebrachten Verstand, spricht die Elfenstimme in meinem Herzschlag noch immer. Zu sehen, zu berühren und wirklich zu fühlen, gerade jetzt wurde mein Leben zu wirklich.
Höhe 13,5 cm (ohne Flügel gemessen) |